figuren theater tübingen

HEIMAT.abend

Virtuos und mit filigraner Liebe zum Detail entlarven Soehnle, Ersching und Peetz „Heimat"
als unheimlichen, gar befremdlichen Begriff. Das „ABC der Heimat" zieht sich als roter
Faden durch das Stück. Doch statt öder Durchdeklination von Brauchtum bis Mundart
fesseln die Darsteller den Zuschauer mit unerwartet bizarren Eindrücken.
Schwäbisches Tagblatt 18.05.09

Das Treiben auf der Bühne ist bunt, turbulent und witzig, aber alles andere als nur nett
oder gar harmlos. Doch genau so entstehen starke Bilder, die zeigen, dass Wahrnehmung
immer eingeschränkt ist und subjektiv, dass jeder immer nur einen Ausschnitt von dem sehen
und gar erkennen kann, was ihn umgibt - und eben auch jeder seinen ganz eignen Begriff da-
von hat, was Heimat für ihn sein kann.
Esslinger Zeitung 06.06.09

Bei dem Stück "Heimat.abend" wird das Alphabet der diffusen Heimatklänge nach allen Regeln
fantasievoller Bühnenkunst durchdekliniert.
Angetrieben vom folkloristisch-geheimnisvollen Soundtrack der Musiker Stefan Mertin und Johannes Frisch forschen die Figurenspieler bei ihrem urkomischen und bildstarken Laborversuch nach der ultimativen Formel zwischen Flädlessupp und Heimatfront.
Wie bei diesem liebevoll-ironischen Tanz durch die Vielschichtigkeit von Heimatgefühlen schließlich aus einem Blumentopf noch ein majestätischer Pflanzenadler als lächerliches Symbol wehrhaften Nationalstolzes sprießt, sollte man sich nicht entgehen lassen.
Stuttgarter Nachrichten 06.06.09

"Heimat.abend" sprengt die Grenzen sowohl des traditionellen Sprech- als auch des Figurentheaters.
Es gibt mitunter schöne und mit Taschenlampen kunstvoll illuminierte Bilder. Es gibt lustige Momente, wenn die drei mit Instrumenten - Ziehharmonika, Tuba und Klarinette - blödeln und einer den anderen schließlich erst erschlägt und danach wieder aufpumpt. Und es gibt tiefsinnige Augenblicke, wenn an den Tod gemahnt wird oder von der "Wattedecke der Gewohnheit" gesprochen wird.
Stuttgarter Zeitung 06.06.09

Dann wiederum sind es Bilder voll visionärer Kraft, magische Traumsequenzen, mit denen die Darsteller ihr Publikum fesseln. Gegenentwürfe dessen, was Heimat auch ist oder sein kann.
Die einfallsreiche Inszenierung (Beratung: Marcus Dürr) setzt auf Tempo und Substanz. So werden die Masken der schwäbisch-alemannischen Fasnet (Hexe, Teufel und Widder) nicht der Lächerlichkeit preisgegeben, sondern als kraftvolle Mittel der Satire genutzt.
GEA 18.05.09