schABERnack!
Ein poetisches Gelage

In einer Collage aus Figurentheater, Livemusik und Kochkunst nähern wir uns dem Werk des großen humoristischen Dichters Wilhelm Busch und lassen uns von seinen Zeichnungen inspirieren. Fremd und vertraut erscheint sein Universum und seine überzeichneten Figuren. Ein „frivoles Werk mit jugendgefährdender Wirkung“, vor dem die Pädagogen 1870 warnten. Doch viele seiner Zweizeiler sind zu festen Redewendungen geworden. Wir graben aus, fantasieren weiter und erkennen: Alles Verwandte! Ein Sommertheater rund um die Probebühne der Schlachthausstrasse.

Ab 12 Jahre, Dauer 65 min
Premiere 6. August 2026, 20 Uhr

Pressestimmen


Die Würze liegt im Bösen
Das Figurentheater Tübingen präsentierte eine Wilhelm-Busch-Collage aus Figurentheater, Livemusik und Kochkunst.
Von Jürgen Spieß 11.08.2026, GEA

TÜBINGEN. Wilhelm Busch hätte vermutlich seine Freude daran gehabt: Da werden Pfannkuchen gebacken, Laddu geknetet, Kochlöffel zu Instrumenten umfunktioniert und zwischen Tuba, Flöte und Akkordeon allerlei menschliche Abgründe serviert. Mit »schABERnack!« hat das Figurentheater Tübingen einen höchst vergnüglichen Zugang zum Werk des großen deutschen Satirikers gefunden. Eine Stunde lang wird Buschs groteskes Universum aus Bosheit, Schadenfreude, kindlichem Übermut und familiären Zumutungen zum Material für eine ebenso skurrile wie fantasievolle Bühnen-Collage.
Friederike Overweg, Karin Ersching und Alexander Soehnle wechseln dabei mühelos zwischen Schauspiel, Puppenspiel, Musik und Kochshow. Puppen gibt es zwar, doch sie sind nur ein Teil dieses Spiels. Viel wichtiger ist die Lust am Verwandeln: Buschs Figuren werden aus ihren Geschichten herausgelöst, auf die Bühne geworfen und dort in eine Welt entlassen, in der Fantasie und Wirklichkeit, Märchen und Alltag gehörig durcheinandergeraten.
Erstaunliches Eigenleben
Witwe Bolte und andere Gestalten aus Buschs Kosmos tauchen auf, verschwinden wieder und entwickeln ein erstaunliches Eigenleben. Aus ihren Streichen werden kleine groteske Szenen, aus Buschs schwarzem Humor wird anarchisches Theater. Onkel Fritz etwa bekommt es nachts im Bett mit riesigen Käfern an Fäden zu tun. Und irgendwo dazwischen entstehen ein »Hassauflauf« oder ein »Rezept für eine Selbstbiographie«.
Frank Soehnles Inszenierung lebt von solchen absurden Einfällen. Sie nimmt Buschs Bösartigkeiten nicht bloß als historische Vorlage, sondern spürt ihrem zeitlosen Kern nach: der Lust am Missgeschick des anderen, der Schadenfreude, den kleinen Gemeinheiten und den großen menschlichen Schwächen. Das alles geschieht mit einem Augenzwinkern, aber keineswegs oberflächlich. Denn hinter dem Klamauk lauert immer wieder die durchaus ernste Frage, warum uns das Böse eigentlich so gut unterhält.
Eine wichtige Rolle spielt die Musik auf der Bühne und auch zum Auftakt im Freien: Tuba, Klarinette und Akkordeon schaffen einen wandelbaren Klangraum, der durch mehrere Kochlöffel als ungewöhnliches Instrument erweitert wird. Die musikalischen Szenen kommentieren das Geschehen, treiben es weiter und verbinden die einzelnen Episoden zu einer schlüssigen Collage. So wird aus Buschs Zeichnungen und Versen eine kleine Bühnenwelt voller skurriler Figuren, grotesker Bilder und schwarzem Humor. »schABERnack!« ist kein musealer Blick auf Wilhelm Busch, sondern ein ziemlich frecher Versuch, seinen anarchischen Geist ins Heute zu holen.
Und vielleicht ist das die beste Art, Busch zu begegnen: Man nehme ein paar Köche, eine Handvoll Schadenfreude, etwas Musik, ordentlich Fantasie – und schmecke alles mit einer Prise Laddu und einem kräftigen Schuss Schabernack ab.

Besetzung

Es spielen, musizieren und kochen: Friederike Overweg, Karin Ersching und Alexander Soehnle. Die Ausstattung und Regie übernahm Frank Soehnle. Die musikalische Leitung der Gesänge und Klangkünste liegt bei Johannes Frisch und die Kostüme stammen aus dem Atelier von Evelyne Meersschaut, assistiert hat Annika Frank.
Bei gutem Wetter nutzen wir Garten und Innenraum, bei Regen spielen wir im Theater.